Anna Zepnick

Leseprobe

übers feld

ich ging übers feld übers feld übers feld ich ging übers feld kein schatten ich ging übers feld keine senke kein busch kein weg kein gesumm nicht wicke noch mohn ich ging übers feld eine lerche kein hase zwei schwalben ein himmel kein schatten übers feld übers feld über stock über stein eine assel zwei mäuse ein schmetterling immerhin übers feld und übers feld kam ich den großeltern näher den großeltern in ihrem kleinen haus mit den kammern und stuben kohleherd federbett holzkitt abort mit dem keller apfel an apfel kartoffeln und ratten und gift mit dem speicher heuhaufen körbe und heiße luft übers feld gingen wir oft zu den kühen zum wild zum friedhof zur tante und durch den pfarrbusch zurück die großmutter schwieg der großvater sprach übers feld mussten wir oft erdäpfel lesen und käfer sprach er und kaute am mischbrot übers feld mit dem schlitten übers feld mit dem rad übers feld kein regen kein mohn kein blau und kein gelb ich geh übers feld über stock über stein und pfeife mir eins

ruckedigu

(winters ende)

aus eisgrauer asche fällt verwaschenes licht an mageren bäumen hängt geläuterte zeit und dann erhebt sich ein rabensopran und ich finde die nuss und darin ist mein kleid aus reichbleichem gold kein blut ist im schuh kein blut auf dem schnee die weltenuhr tickt und die braut steht bereit

zum 98. von ernst jandl

sollte ich wider erwarten doch einmal sterben begrabe man mich in einer farbfilmhülse man reiche danach zichorienkaffee rezitiere den zweiten psalm aus der gebrauchsanleitung für männer und warte auf den dreizehnten glockenschlag